Inkontinenz

Harninkontinenz – was ist das?

Unter einer Harninkontinenz versteht man jeden ungewollten Urinabgang, am falschen Ort, zur falschen Zeit.

Ursachen?

Es gibt viele verschiedene Formen der Harninkontinenz und dementsprechend auch viele verschiedene Ursachen. Sinnvoll ist, die Ursache vom Hausarzt bzw. einem Spezialisten (Urologen, Gynäkologen) abklären zu lassen, da unterschiedliche Formen von Inkontinenz unterschiedliche Möglichkeiten der Behandlung aufweisen.
Über organische Ursachen hinaus können auch eine beeinträchtigte Bewegungsfähigkeit oder Minderungen im Bereich der Wahrnehmung (z.B. Demenz) zu einer sogenannten funktionellen Inkontinenz führen. Das bedeutet, auch wenn die Ausscheidungsorgane regelrecht funktionieren, kann die Toilette nicht schnell genug erreicht werden, bzw. auf die Notwendigkeit zum Toilettengang kann nicht adäquat reagiert werden.

 

Risikofaktoren

Es gibt einige Risikofaktoren, die die Entstehung einer Inkontinenz wahrscheinlicher machen:

  • Schwangerschaften in der Vergangenheit, die zu einer Senkung der Gebärmutter führen können.
  • Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse beim Mann)
  • Chronische Verstopfung: ständiges verstärktes Pressen bei der Stuhlentleerung kann die Beckenbodenmuskulatur und damit die Verschlussmechanismen der Blase in Mitleidenschaft ziehen.
  • Übergewicht
  • Schweres Heben und Tragen
  • Häufige Blasenentzündungen
  • Medikamente, z.B. „Wassertabletten“, aber auch blutdrucksenkende Medikamente
  • Bewegungseinschränkungen
  • Demenz und ähnliche Erkrankungen

 

Wie können Sie vorbeugen?
  • Sorgen Sie für eine geregelte Verdauung durch eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge.
  • Trinken Sie genügend. Dies beugt sowohl Verstopfung als auch Harnwegsinfekten vor. Eine geringe Trinkmenge schützt nicht vor häufigen Toilettengängen, im Gegenteil: Dadurch steigt die Konzentration des Urins in der Harnblase, was zum Harndrang führt. Außerdem steigt das Risiko von Harnwegsinfekten, die auch wiederum zu häufigerem Wasserlassen führen.
  • Bewegung, aber richtig. Ausreichende Bewegung fördert Ihre Bewegungsfähigkeit und damit die Fähigkeit, die Toilette rechtzeitig zu erreichen. Gezielte Bewegungsübungen für die Beckenbodenmuskulatur können die Symptomatik bei bestimmten Formen der Inkontinenz mindern. Ihr Hausarzt oder Gynäkologe berät Sie gerne.
  • Arbeiten Sie rückenschonend, insbesondere beim Heben und Tragen. Heben Sie nicht mehr als zehn Kilogramm. Tragen Sie körpernah. Achten Sie auf eine ausreichende Muskelspannung im Bereich von Bauch und Rücken.

 

Was, wenn doch…?

Das Thema Inkontinenz ist noch immer ein Tabuthema. Jeder Dritte über 65 Jahren leidet an einer Inkontinenz. Nur wer sich dem Thema stellt, kann Hilfestellung erhalten.

  • Lassen Sie die Inkontinenz von einem Arzt abklären. Je nach Ursache gibt es unterschiedliche Möglichkeiten des Umgangs damit.
  • Führen Sie ein Tagebuch, ein sogenanntes Miktionsprotokoll. Schreiben Sie über einige Tage auf, was und wie viel Sie getrunken haben, wann Sie auf Toilette waren und ob es zwischenzeitlich Inkontinenzereignisse gab (z.B. die Vorlage nass war). Bei der Auswertung lassen sich evtl. Zusammenhänge erkennen, an denen eine Behandlung ansetzen kann.
  • Toilettentraining. In Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt können Sie ein Toilettentraining durchführen. Es gibt unterschiedliche Arten von Toilettentraining. Ihr Arzt wird Sie gerne beraten.
  • Versorgung mit aufsaugenden Inkontinenzhilfsmitteln, landläufig „Vorlagen“ oder „Windeln“ genannt. Es gibt inzwischen eine Unzahl von verschiedenen Inkontinenzhilfsmitteln, die Ihnen eine Teilnahme am sozialen Leben wieder ermöglichen sollen. Kriterien für die Auswahl sind insbesondere die Handhabbarkeit und der Komfort beim Tragen. Unterstützung bei der Auswahl erhalten Sie in Apotheken und Sanitätshäusern. Die Kosten werden in den meisten Fällen zumindest anteilig von den Krankenkassen übernommen.
    Achten Sie bei der Verwendung von körpernahen Inkontinenzhilfsmitteln, den Vorlagen, auf einen regelmäßigen Wechsel und eine adäquate Hautpflege, um Pilzerkrankungen und Hautirritationen vorzubeugen.
    Es gibt auch körperferne aufsaugende Hilfsmittel, um das Bett oder jede andere Sitzfläche zu schützen.
  • Anpassung von Kleidung und Wohnraum. Die Kleidung sollte leicht zu öffnen sein und so weit, dass das Inkontinenzhilfsmittel nicht aufträgt. Der Weg zur Toilette sollte kurz sein, ggf. mit Haltegriffen ausgestattet und nachts gut beleuchtet.

 

Weitere Hilfsmittel:
Es gibt fahrbare Toilettenstühle, Urinflaschen, Steckbecken usw. Wir beraten Sie gerne, was in Ihrer konkreten Situation sinnvoll ist und unterstützen Sie bei der Beschaffung von Hilfsmitteln.

Ableitende Hilfsmittel (Blasenkatheter):
Bei schwerer Inkontinenz kann nach ärztlicher Anordnung ein Blasendauerkatheter sinnvoll sein. Dieser wird von Pflegefachkräften gelegt und in regelmäßigen Abständen gewechselt. Durch diesen Katheter fließt der Urin direkt in einen Auffangbeutel. Es gibt Auffangbeutel, die am Bett oder Stuhl hängen, sowie Beinbeutel, die fast unsichtbar unter der Kleidung getragen werden. Da der Blasendauerkatheter eine direkte Verbindung zwischen „Außenwelt“ und Harnblase herstellt, ist im Umgang mit dem Katheter Hygiene oberstes Gebot. Der Intimbereich sollte zweimal am Tag mit Wasser gereinigt werden, und natürlich nach jeder Verschmutzung mit Stuhlgang. Der Beutel einschließlich des Schlauches sollte nicht über Nierenniveau gehalten werden, da sonst Urin aus dem Katheterschlauch in die Blase und schlimmstenfalls in die Niere zurückläuft. Aus hygienischen Gründen sollte der Katheterbeutel nicht auf dem Boden liegen. Der Beutel muss alle 14 Tage gewechselt werden. Die Verbindung zwischen Katheter und Beutel darf ansonsten nicht getrennt werden, da hier Keime eindringen können.